Kreuzwegandachten: Texte zur Inspiration

Vorlagen & Beispiele

Inhalt:

  1. Loslassen
  2. Passionen
  3. Mitleiden, mittragen, verwandeln
  4. Im Alltag betrachten

Loslassen

Eröffnung

Herr Jesus Christus, du hast gesagt, wer dein Jünger sein will, nehme sein Kreuz auf sich und folge dir nach. Das Kreuz aufnehmen bedeutet auch, dass wir lernen müssen loszulassen. Loslassen, was uns daran hindert, dir nachzufolgen. Wir wollen jetzt unseren Alltag für eine Weile hinter uns lassen, um dir auf deinem Kreuzweg zu folgen.

1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christ,
und preisen dich.
A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du
die Welt erlöst.

Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen, Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen. (Mk 15,15)

Um die Menge zufrieden zu stellen, gab Pilatus den Befehl, einen Unschuldigen ans Kreuz schlagen zu lassen. Wie oft verraten wir andere Menschen? Wie oft verraten wir uns selbst? Wie oft verraten wir Jesus, um andere zufrieden zu stellen? Herr Jesus Christus, wir bitten dich: Hilf uns, falsche Ängste, Bequemlichkeit und Egoismus loszulassen, damit wir nicht die Menge, sondern dich zufrieden stellen.

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christ,
und preisen dich.
A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du
die Welt erlöst.

Sie übernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. (Joh 19,16b–17)

Jesus trug sein Kreuz zur Stadt hinaus. Trotz des Wissens um seinen grausamen Tod. Immer wieder gibt es Zeiten, in denen wir einen Weg gehen müssen, der uns herausführt aus der Geborgenheit der Familie, weg von Freunden, unserem eigenen Golgota entgegen. Herr Jesus Christus, wir bitten dich: Hilf uns loszulassen, was uns daran hindert, unser Kreuz anzunehmen und dir auf unserem ganz persönlichen Weg nachzufolgen.

V Gekreuzigter Herr Jesus Christus.
A Erbarme dich über uns und über
die ganze Welt.

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christ,
und preisen dich.
A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du
die Welt erlöst.

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. (Joh 13,34)

Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz. Manchmal scheinen die Kräfte zu gering, wird die Last zu groß, der Weg zu lang. Wir können ihn nicht weitergehen.

Andrea Christ

Die vollständige Andacht finden Sie im Buch »Holz, von dem uns Leben kam. Kreuzwegbetrachtungen von Frauen«, erschienen im St. Benno Verlag. Das Buch erhalten Sie etwa im Online-Shop von Vivat!.

Passionen

1. Station: Todesurteil

Jesus vor Kajaphas und Pilatus.
Sie sitzen,
besitzen Macht, Herrschaft, Gesetz.
Er steht,
besitzt nichts,
zerrissen sein Gewand,
die Haut,
zerrissen auch der Schein der
Wohlanständigkeit.
Bloßgestellt
sprechen ihre Hände
eine eigene Sprache.
Kajaphas klammert sich fest am Gesetz.
Gotteslästerung!
Pilatus’ Hände färben das Wasser rot,
an ihnen klebt Blut.
Mord!

Jesu Hände sind gebunden,
unfähig zu segnen,
zu schützen,
aufzurichten,
zu heilen,
zu arbeiten,
zu beten,
mit Stricken ans Kreuz gebunden

wie ein Stück Vieh,
gefesselt,
bevor es geschlachtet wird.

Hände, die nichts mehr halten können,
nicht die Welt,
nicht das Brot,
nicht ein Kind,
nicht sich selbst, nichts.

Hände,
die den Lauf der Dinge
nicht mehr aufhalten können,
Hände eines Menschen,
der sterben wird.

Hände eines Menschen,
der den Lauf der Dinge
vielleicht gar nicht mehr aufhalten will,
weil er ahnt,
dass jetzt das Gehaltenwerden
sein Anteil ist?
Seine Hände.
Passion –
halte mich fest.
Passion –
Tod und Auferstehung.

Halte mich nicht fest.

2. Station: Des Zimmermanns Sohn

Zimmermann –
wer hätte das gedacht?
So oft die Balken gehobelt,
damit Menschen ein Dach
über dem Kopf haben.
So oft das Holz bearbeitet,
damit Heimat entsteht.
So oft eine Herberge errichtet,
damit niemand zu frieren,
zu hungern,
allein zu sterben braucht.
Und jetzt das,
ein Balken in deinen Händen,
der keine Heimat ist,
der nicht das Leben beherbergt,
sondern den Tod.
Zimmermann aus Nazaret.
Unsere Krankheiten getragen,
unsere Dämonen verjagt,
unsere Schuld in dir zur Ruhe gelegt,
unseren Verrat geheilt,
unserem Tod ein Dach
über dem Kopf gegeben,
das Blatt gewendet,
Zimmermann aus Nazaret.

Sr. Aurelia Spendel OP

Die vollständige Andacht finden Sie im Buch »Holz, von dem uns Leben kam. Kreuzwegbetrachtungen von Frauen«, erschienen im St. Benno Verlag. Das Buch erhalten Sie etwa im Online-Shop von Vivat!.

Mitleiden, mittragen, verwandeln

Eröffnungsgebet

Herr, du bist jung und durch ungerechte Gewalt gestorben. Aber dein Tod war die Konsequenz und der Höhepunkt deines irdischen Lebens. Du hast dein Leben riskiert, damit Gott und Menschen zueinander finden. Wir danken dir für dein Leben und deinen Tod. Jetzt wollen wir uns auf die Betrachtung deines letzten Lebensabschnittes einlassen und dich damit nachträglich begleiten. Gleichzeitig führt uns dein Kreuzweg zur Auseinandersetzung mit den Leiden in der Welt, das wir dir gegenüber auch zur Sprache bringen wollen.

1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
und preisen dich.
A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du
die Welt erlöst.

Herr, lange hast du es geahnt. Sie hatten schon auf eine Gelegenheit gewartet, dich verurteilen zu können. Du warst ihnen im Weg. Trotzdem hast du getan, was du tun musstest. Du hast in Kauf genommen, dass du in Konflikt gerätst mit der politischen und religiösen Macht. Jetzt lässt du sie gewähren. Du wirst wie ein Verbrecher zum Tode verurteilt. Obwohl du unschuldig bist, sträubst du dich nicht.
– Stille –

Auch heute werden Menschen unschuldig verurteilt. Andere werden grundlos verachtet. Lass uns aufseiten der Verachteten und unschuldig Verurteilten stehen um deinetwillen. Und wenn es uns selbst trifft, lass uns mit dir zusammen die Situation bestehen. Vielleicht ziehst du uns gerade dann an dich, wenn wir verachtet und verurteilt werden.

V Wir bitten dich:
A Herr, erbarme dich über uns und über
die ganze Welt.

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
und preisen dich.
A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du
die Welt erlöst.

Herr, nun beginnt der steile Aufstieg. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Du bekommst das Kreuz, sollst dein Marterinstrument sogar selbst tragen. Du gehst mit dem Kreuz, nimmst an, was jetzt unvermeidlich ist.
– Stille –

Herr, wir sind nicht du, wir können die Welt nicht erlösen. Aber uns begegnet auch unausweichliches Leiden, dem wir nicht entrinnen können. Lass es uns mit dir zusammen tragen und lass es fruchtbar werden. Nimm das Leid der ganzen Welt auf und verwandle es.

Renate Morawietz

Die vollständige Andacht finden Sie im Buch »Holz, von dem uns Leben kam. Kreuzwegbetrachtungen von Frauen«, erschienen im St. Benno Verlag. Das Buch erhalten Sie etwa im Online-Shop von Vivat!.

Im Alltag betrachten

Einleitungsgebet

Herr Jesus Christus, wir sind gekommen, um dich auf deinem einsamen Weg zum Tod zu begleiten. Lass uns erkennen, warum du allein bist, obwohl sich so viele Menschen um dich drängen. Hilf uns, unser eigenes Alleingelassensein mutig zu ertragen und sinnvoll zu deuten. Je mehr dich die Menschen verlassen, umso näher kommst du ihnen. Und als du völlig einsam nach dem Vater riefst, warst du schon ganz bei ihm.

1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
und preisen dich.
A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du
die Welt erlöst.

Zum dritten Mal sagte Pilatus zu ihnen: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich habe nichts feststellen können, wofür er den Tod verdient. Daher will ich ihn auspeitschen lassen, und dann werde ich ihn freilassen. Sie aber schrien und forderten immer lauter, er solle Jesus kreuzigen lassen, und mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch: Pilatus entschied, dass ihre Forderung erfüllt werden solle. Er ließ den Mann frei, der wegen Aufruhr und Mord im Gefängnis saß und den sie gefordert hatten. Jesus aber lieferte er ihnen aus, wie sie es verlangten. (Lk 23,22–25) Jeder von uns weiß, wie weh es tut, wenn man ungerecht behandelt wird, wie leicht es vorkommt, dass man ungerecht ist und Unrecht tut.

Gebet
Herr Jesus Christus, Heiland der Welt, es ist besser,
Unrecht zu leiden als Unrecht zu tun. Hilf uns, deinen
Willen zu tun, gegen andere nicht ungerecht zu sein,
böse Worte und Taten zu meiden und dem Frieden zu
dienen. Amen.

V Wir danken dir, Herr Jesus Christ,
A dass du diesen Weg für uns gegangen bist.

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
und preisen dich.
A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du
die Welt erlöst.

Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Judas hat Jesus verraten. Petrus hat ihn verleugnet. Die anderen Jünger sind geflohen. Die Menge schreit immer wieder: „Kreuzige ihn!“ Alle haben gesündigt. Sie alle nehmen das Kreuz. Sie alle legen es auf Jesu Schultern. Jeder von uns trägt ein Kreuz. Manchmal sichtbar, oft auch nicht erkennbar. Schwer, erdrückend können beide sein.

Gebet
Herr Jesus Christus, Heiland der Welt, du hast gesagt:
»Wer zu mir gehören will, nehme täglich sein Kreuz
auf sich und folge mir nach.« Du hast uns ein Beispiel
gegeben. Du gehst uns voran. Du weißt, was uns bedrückt.
Du kennst die Last und das Leid eines jeden
von uns; du siehst die Not, die Fehler und die Schuld.
Lass uns bereit sein, Ja zu sagen zu dem, was uns
Kummer und Schmerzen macht; die Not anderer zu
sehen und ihnen zu helfen. Amen.

V Wir danken dir, Herr Jesus Christ,
A dass du diesen Weg für uns gegangen bist.

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
und preisen dich.
A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du
die Welt erlöst.

Sr. M. Klara Hahnová SSCJ

Die vollständige Andacht finden Sie im Buch »Holz, von dem uns Leben kam. Kreuzwegbetrachtungen von Frauen«, erschienen im St. Benno Verlag. Das Buch erhalten Sie etwa im Online-Shop von Vivat!.