Vorschläge für Rosenkranzandachten

Auswahl an Texten

Inhalt:

  1. Hab Sie auch ein Handy?
  2. Litanei zur Mutter Gottes
  3. Der Rosenkranz
  4. Die Schönheit des Rosenkranzes

Haben Sie auch ein Handy?

Das beliebteste Geschenk ist seit neustem ein Handy. Man möchte es als Liebeserklärung verstanden wissen. Jeden Augenblick ist einem der andere wichtig, deshalb möchte man ihn jederzeit anrufen können. Der Kontakt soll nicht abreißen. Handy so nennt man das mitnehmbare Telefon, das uns überall erreichbar macht. Handy hört sich an wie ein Kosewort. Natürlich muss es sich englisch anhören und wird »händi« ausgesprochen. Ohne Englisch kann man weder ein Flugzeug führen noch mit dem Computer umgehen.

Englisch ist eine Weltsprache, mit der man sich gerade auf dem Gebiet der Technik überall verständlich machen kann. Wer modern, wer fortschrittlich ist, der braucht ein Handy. Wer mit jeder Minute rechnen muss, der kann auf ein Handy nicht verzichten. Was so ein kleiner Apparat dank moderner Technik nicht alles fertigbringt. Man ist weltweit vernetzt. Ein Wunderwerk der Technik! Natürlich muss man mit einem Handy umgehen können. Man muss die richtige Nummer wählen, um den anderen zu erreichen.

Man muss den Apparat auf Empfang stellen, damit Anrufer nicht mit einem Belegzeichen vertröstet werden. Seit das Handy erfunden ist, tritt es seinen Siegeszug durch die Welt an. Die Manager haben es zuerst entdeckt, aber inzwischen gehört es zum Alltag. Natürlich gibt es auch ein paar kritische Anmerkungen. Das Handy sei ungesund. Es sei krebserregend. Es fördere Tumore. Es habe Schlafstörungen zur Folge.

Im Straßenverkehr sei es lebensgefährlich. Flugzeuge bringe es zum Absturz. Die Verteidiger werden anführen, dass alles, was unvernünftig gebraucht werde, schaden könne, außerdem seien viele Behauptungen wissenschaftlich überhaupt nicht bewiesen. Wer sich für das Handy entschieden hat, der wird nicht darauf verzichten wollen. So geht es auch denen, die ein religiöses Handy haben.

Sie werden fragen: Was ist denn das? Dabei gibt es dieses Handy schon jahrhundertelang. Millionen gebrauchen es. Millionen können es aus ihrem Leben nicht mehr wegdenken. Das religiöse Handy besteht nicht aus einem Apparat mit Druckknöpfen, das religiöse Handy ist eine Schnur mit Perlen. Man nennt dieses Handy: Rosenkranz. Wer den Rosenkranz in die Hand nimmt und ihn zu beten beginnt, der tritt in Kontakt mit Gott.

Maria übernimmt die Vermittlung. Alles lässt sich in den Rosenkranz hineinnehmen: Freud und Leid. Wie viele haben in schweren Tagen den Trost des Rosenkranzes erfahren dürfen: bei einem Sterbefall in der Familie, nach der Mitteilung einer schweren Krankheit. Damit muss man fertig werden. Das muss mit jemandem besprochen werden.

Wo aber kann man mehr Trost und mehr Hilfe erfahren als bei dem, der unser Los in seinen Händen hält? Wo fühlt man sich stärker an der Hand genommen, als wenn man mit der Mutter des Herrn den Weg Jesu mitgeht? Das religiöse Handy, den Rosenkranz, kann man immer und überall zur Hand nehmen. Mit ihm ist man gleichfalls weltweit vernetzt, denn man kann alle Anliegen in den Rosenkranz hineinnehmen: die Kirche in China und die verfolgten Menschen in Sudan, den Sohn, der seinen Glauben verloren hat, und die Tochter, die kein weiteres Kind will.

Das religiöse Handy, der Rosenkranz eignet sich bei Schlafstörungen und nervösen Leiden. Der Rosenkranz hat beste Wirkungen auf die Gesundheit, aber nicht nur das, er kann sogar die Herzen zum Guten hin bewegen, das eigene Herz und das anderer. Natürlich gibt es auch Einwände gegen ihn. Sie werden vor allem von Leuten erhoben, die ihn noch nie oder ganz selten benutzt haben.

Sie nennen den Rosenkranz langweilig und eintönig. Sie halten den Rosenkranz für eine überholte Gebetsform. Sie werden nur schwer vom Gegenteil zu überzeugen sein, denn den Nutzen des Rosenkranzes kann nur der erfahren, der ihn benutzt. Es gibt selbstverständlich viele Möglichkeiten des Gebetes, aber wer die Vorteile eines Handys zu schätzen weiß, der sollte das religiöse Handy entdecken, denn es wirkt all dem entgegen, was das normale Handy an Gefahren mit sich bringt. Vielleicht sollten die Pfarreien Einführungskurse anbieten.

Ludwig Gschwind

Quelle: Der Rosenkranz. Gedanken, Gebete, Meditationen, St. Benno Verlag, S. 11–14.

Litanei zur Mutter Gottes

Mutter Gottes, wir rufen zu dir!

Dich loben die Chöre der Engel

Maria, wir rufen zu dir!

Dich loben die Heiligen Gottes
Dich loben der Seligen Scharen
Dich lobet die heilige Kirche
Dich loben die Menschen auf Erden

Mutter Gottes, wir rufen zu dir!

Du bist ja die Mutter der Gnade
Der Sitz aller göttlichen Weisheit
Du Mutter des ewigen Rates
Du Mutter der geistlichen Stärke
Du Mutter der schönen Liebe

Mutter Gottes, wir rufen zu dir!

Du bist ja die Herrin des Himmels
Die Krone aller Jungfrauen
Die Königin aller Bekenner
Der Märtyrer himmlische Fürstin
Die Mutter der heiligen Apostel

Mutter Gottes, wir rufen zu dir!

Du bist ja der Seligen Freude
Du bist ja das Lob der Getreuen
Du Hilfe der sieghaften Streiter
Du Ehre aller Gerechten
Du Liebe der Boten des Friedens

Mutter Gottes, wir rufen zu dir!
Du Reis aus der Wurzel Jesse
Du Tempel des Heiligen Geistes
Du Arche des Neuen Bundes
Du Pforte des himmlischen Reiches
Du Spiegel der heiligen Kirche

Mutter Gottes, wir rufen zu dir! Du bist ja die Zuflucht der Sünder
Du Trösterin in der Betrübnis
Du Hilfe des Volkes Gottes
Du Ursache unserer Freude
Du Mutter aller Erlösten

Mutter Gottes, wir rufen zu dir!

Begleiter auf all unseren Wegen
Du kennst unsre Fragen und Sorgen
Du Trösterin aller Gequälten
Du Schwester der leidenden Menschen
Maria, du Hilfe der Kranken

Mutter Gottes, wir rufen zu dir!
Du Zeichen für die pilgernde Kirche
Du wurdest zur Dienerin aller
Bist Schwester uns allen geblieben
Du Freundin der Armen und Schwachen
Gib Kraft in den einsamen Stunden

Mutter Gottes, wir rufen zu dir!

Gedenke, gütige Jungfrau Maria:
Es ist noch nie gehört worden,
dass jemand, der zu dir
seine Zuflucht genommen,
deine Hilfe angerufen
und um deine Fürbitte gefleht,
von dir sei verlassen worden.
Von solchem Vertrauen beseelt,
nehme ich zu dir meine Zuflucht,
Mutter, Jungfrau der Jungfrauen.

Zu dir komme ich,
vor dir stehe ich
als armer sündiger Mensch.
Mutter des ewigen Wortes,
verschmähe nicht meine Worte,
sondern höre mich gnädig an
und erhöre mich.

Bernhard von Clairvaux

Quelle: Der Rosenkranz. Gedanken, Gebete, Meditationen, St. Benno Verlag, S. 36–39.

Der Rosenkranz

Der Rosenkranz, vor allem der »Schmerzensreiche«, wird insbesondere auch dort gebetet, wo Menschen Ohnmacht erleben und im Gebet Kraft und Hoffnung suchen, auch zu neuem Handeln – so etwa angesichts von Krieg und Gewalt auf dieser Welt. Kriegerische Auseinandersetzungen bedeuten für viele Menschen Leid und Tod. Die Welt, in der wir leben, gleicht einem Körper, der von den Wunden des Krieges gezeichnet ist. Es sind Menschen, die diese Wunden schlagen, und es sind Menschen, für die unter den Kriegsfolgen alles zusammenbricht.

Kriege sind immer Niederlagen der Menschheit. Im Augenblick einer kriegerischen Auseinandersetzung werden wir uns schmerzhaft unserer Grenzen bewusst, Gerechtigkeit und Frieden zu sichern, Spannungen abzubauen sowie Tyrannei und Unrecht zu beseitigen. Krieg ist die Zeit, in der Christen auf Jesus und seinen Leidensweg blicken.

Er hat freiwillig den Kelch des Leidens getrunken und ist so seiner Sendung treu geblieben. In der Erfahrung der Verlassenheit und im Sterben am Kreuz hat er die extremsten Erfahrungen, die Menschen machen können, auf sich genommen. Weil Gott seinen Sohn nicht im Todesschicksal beließ, sondern von den Toten auferweckte, hat er die allmächtige Liebe seines Vaters offenbart. Deswegen schöpfen Christen im Blick auf den Weg Jesu zum Kreuz Hoffnung und Kraft.

Angesicht des Leidens und Sterbens in gewaltsamen Auseinandersetzungen empfinden viele Menschen Hoffnungslosigkeit und Zerbrechlichkeit ihres Lebens. Sie werden sprachlos angesichts des Leidens Anderer. In dieser Situation begleiten Christen ihren Erlöser auf der letzten Wegstrecke seines Lebens. Mit ihm den Weg zum Kreuz zu gehen, ist Ausdruck stummen Schmerzes.

Im Lichte der Ostererfahrung erwächst daraus die Kraft, die Not auszuhalten und die Hoffnung nicht zu verlieren. Am Ende des Kreuzweges stehen wir unter dem Kreuz Jesu. Er blickt auf die Menschen, die ihn bis zu diesem schrecklichen Ort begleitet haben, und verweist sie aufeinander: »Siehe Dein Sohn – siehe Deine Mutter.«

Schwere und dunkle Stunden können wir an der Seite unseres Herrn Jesus Christus durchschreiten, weil er unsere Schmerzen mitträgt und im dunklen Augenblick des Kreuzes die österliche Hoffnung unser Leben stärkt. Zeiten des Krieges sind nicht Zeiten großer Worte. Seit Jahrhunderten nehmen dann Gläubige den Rosenkranz in die Hand, und im wiederkehrenden Gebet des Ave Maria finden Traurigkeit, Schmerz und die österliche Hoffnung ihre Sprache.

Karl Kardinal Lehmann

Quelle: Der Rosenkranz. Gedanken, Gebete, Meditationen, St. Benno Verlag, S. 62f.

Die Schönheit des Rosenkranzes

[...] Um Apostel des Rosenkranzes zu sein, muss man die Schönheit und die Tiefe dieses einfachen und jedem Menschen zugänglichen Gebets persönlich erfahren. Vor allem muss man sich von der Jungfrau Maria an der Hand führen lassen, um das Antlitz Christi zu betrachten: ein freudenreiches, lichtreiches, schmerzhaftes und glorreiches Antlitz. Wer wie Maria und gemeinsam mit ihr die Geheimnisse Jesu bewahrt und sie unermüdlich betrachtet, der macht sich seine Empfindungen immer mehr zu eigen und wird ihm ähnlich. Ich möchte in diesem Zusammenhang einen schönen Gedanken des sel.

Bartolo Longo zitieren. Er schreibt: »Wie zwei Freunde, die sich öfters besuchen, sich in ihren Gewohnheiten anzugleichen pflegen, so können auch wir, die wir in familiärer Vertrautheit mit Jesus und der Jungfrau in der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse sprechen und gemeinsam ein und dasselbe Leben in der Kommunion vollziehen, ihnen gleich werden, soweit dies unsere Begrenztheit erlaubt [...]« Der Rosenkranz ist Schule der Betrachtung und der Stille.

Auf den ersten Blick mag er wie ein Gebet erscheinen, bei dem Worte aneinandergereiht werden und das daher schwer vereinbar ist mit der Stille, die zu Recht für die Meditation und die Betrachtung empfohlen wird. In Wirklichkeit stört das gleichmäßige Wiederholen des »Ave Maria« die innere Stille nicht, sondern erfordert sie vielmehr und nährt sie.

Ähnlich wie bei den Psalmen im Stundengebet kommt die Stille durch die Worte und Sätze hindurch zum Vorschein – nicht als eine Leere, sondern als eine Anwesenheit des letzten Sinnes aller Dinge, der die Worte übersteigt und gemeinsam mit ihnen zum Herzen spricht. So müssen wir beim wiederholten Beten des »Ave Maria« darauf achtgeben, dass unsere Stimmen die Stimme Gottes nicht »überlagern«, denn er spricht immer durch die Stille, wie »ein sanftes, leises Säuseln« (1 Kön 19,12).

Wie wichtig ist es also, sowohl im persönlichen als auch im gemeinschaftlichen Gebet diese Stille zu pflegen, die erfüllt ist von Gott! Auch wenn er […] von einer großen Gemeinde gebetet wird, […] muss der Rosenkranz als kontemplatives Gebet wahrgenommen werden, und das kann nicht geschehen, wenn eine Atmosphäre innerer Stille fehlt.

[...] Wenn die christliche Betrachtung nicht vom Wort Gottes absehen kann, dann muss auch der Rosenkranz, um ein kontemplatives Gebet zu sein, stets aus der Stille des Herzens als Antwort auf das Wort Gottes hervorkommen, nach dem Vorbild des Betens Marias. Bei genauerem Hinsehen ist der Rosenkranz ganz mit Elementen aus der Heiligen Schrift durchwirkt.

Zunächst wird das Geheimnis formuliert, was möglichst […] mit Worten geschehen sollte, die der Bibel entnommen sind. Dann folgt das »Vaterunser«: Es verleiht dem Gebet seine »vertikale« Ausrichtung und macht so das Herz dessen, der den Rosenkranz betet, offen für die rechte Haltung der Kindschaft, gemäß der Einladung des Herrn: »Wenn ihr betet, so sprecht: Vater …« (Lk 11,2).

Der erste Teil des »Ave Maria« – auch er stammt aus dem Evangelium – lässt uns jedesmal wieder die Worte, die Gott durch den Engel an die Jungfrau Maria richtete, zusammen mit den Segensworten ihrer Kusine Elisabet vernehmen. Der zweite Teil des »Ave Maria« ist die Antwort der Kinder, die sich bittend an die Mutter wenden und damit nichts anderes tun als ihre Zustimmung zum Heilsplan zum Ausdruck zu bringen, den Gott offenbart hat. So bleiben die Gedanken derer, die beten, stets in der Heiligen Schrift und in den Geheimnissen verankert, die in ihr aufgezeigt werden.

Papst Benedikt XVI.

Quelle: Der Rosenkranz. Gedanken, Gebete, Meditationen, St. Benno Verlag, S. 90–92.