Jugendgottesdienste & Jugendandachten

Beispiele und praktische Tipps

Inhalt:

  1. Aufbau einer Andacht
  2. Andacht »Zielscheibe«

Die »Andacht«-Zutaten

An was soll in einer Andacht »gedacht« werden? Gute Frage, also brauchen wir als erstes ein Thema: Worum geht‘s? Hier wird der Inhalt der Andacht kurz genannt. Dazu können Geschichten, Psalmen, Lieder, Texte und Gebete herausgesucht werden. Sie bringen das Thema auf den Punkt. Die Texte können aus ganz vielen Quellen stammen: aus der Zeitung, aus Gebetbüchern oder natürlich aus der Bibel. Es können auch Gedichte, Geschichten oder Songtexte ein, denn auch Lieder sind Gebete.

Da war sich schon der heilige Augustinus sicher: »Wer singt, betet doppelt!« Am besten ist es, Lieder auszusuchen, die zum Thema passen. Damit keine Hektik aufkommt und Worte und Lieder wirken können, sind Zeiten der Stille gut. Am Ende einer Andacht passt ein Segen. Jeder darf segnen, weil wir alle unter den Segen Gottes passen. Eine Andacht muss nicht lang sein. Und sie sollte trotzdem Zeit haben.

Der Ablaufplan

Gleich vorneweg. So ein Ablaufplan muss nicht sklavisch befolgt werden. Doch oft ist es hilfreich, einen Plan zu haben – und ein Vorschlag dafür ist hier zu finden:

  • Zutaten vorbereiten: Thementext, Geschichte, Gebet, Lied(er), Segen, Stille, Sonstiges (z.B. Samenkörner, Wasser, anregende Dinge)
  • Raum vorbereiten (Kerze anzünden, Dinge zurechtlegen, Liederbücher ...)
  • ruhig werden
  • Lied
  • kurze Einführung ins Thema
  • erster Text (Geschichte, Bibeltext, Gedicht ...)
  • kurze Stille
  • evtl. Auslegung oder Gespräch
  • Lied
  • Psalm
  • kurze Stille
  • Segen

Quelle: Guido Erbrich: Komm mit mir ins Leben. Neue Jugendandachten, St. Benno Verlag, S. 6f.

Zielscheibe

Einführung ins Thema

Wie schön ist es, Ziele zu haben. Ziele gibt es viele: das Ziel, die Schule fertig zu machen, einen Wettkampf zu gewinnen, eine Krankheit durchzustehen, eine Freundin oder einen Freund zu haben, einen Beruf zu erlernen, zu studieren, Länder zu bereisen, einen Konflikt zu lösen und und und. Viele Ziele kann ich mit Hilfe anderer viel besser erreichen als allein. Die meisten sind Etappenziele. Wenn sie in die richtige Richtung gehen, führen sie uns näher zum Ziel unseres Lebens.

Geschichte: Nägel im Zaun

Es war einmal ein kleiner Junge, der schnell wütend wurde und dann ausrastete. Da gab ihm sein Vater einen Hammer und eine große Packung Nägel: »Jedes Mal, wenn du wieder wütend wirst, gehst du zu unserem Zaun und schlägst einen Nagel hinein.«

Der Junge verstand zwar nicht, warum er das tun sollte, aber er stimmte zu. Am nächsten Tag hämmerte er bereits 30 Nägel in den Zaun. Die Tage vergingen. Mit jedem Tag wurden es weniger Nägel, die der Junge in den Zaun schlug. Langsam wurde ihm bewusst, dass es einfacher war, Nägel in den Zaun zu hämmern als auszurasten. Eines Tages war es schließlich so weit. Er brauchte keinen Nagel, der Hammer blieb liegen. Er rastete einfach überhaupt nicht aus. Stolz teilte er das seinem Vater mit. Der nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm zum Zaun: »Von nun an machen wir es so: Für jeden Tag, den du nicht ausrastest, darfst du einen Nagel wieder aus dem Zaun ziehen.« Der Junge war wieder einverstanden.

Es vergingen ein paar Wochen, bis der Junge freudig zu seinem Vater lief und ihm stolz verkündete, dass nun keine Nägel mehr im Zaun sind. Gemeinsam gingen sie zum Zaun, und der Vater sagte zu ihm: »Das hast du toll gemacht, und ich bin sehr stolz auf dich. Aber schau dir die vielen Löcher im Zaun an, die die Nägel hinterlassen haben. Der Zaun ist nicht mehr der, der er einmal war. Denk daran, wenn du das nächste Mal wütend etwas zu anderen Menschen sagst. Deine Worte könnten Narben hinterlassen, so wie diese Nägel Spuren im Zaun hinterlassen haben. Auch wenn du dich entschuldigst, die Narben bleiben.«

Autor unbekannt

Gebet: Auf Umwegen zu dir

Ich mache mich auf, um die Mitte zu finden, das Ziel meines Lebens. Aber auf Umwege wird mein Schritt geführt. Mein Gott, wie viele Biegungen liegen noch vor mir? Manchmal glaube ich, am Ziel zu sein. Dann wieder stehe ich fast am Anfang. Zögernd taste ich mich voran. Ich erfahre: Jede Umkehr bringt mich dir näher, kein Schritt ist vergeblich vor dir.

Lied: Wir wünschen uns die Augen

Psalmgebet: Hörst du mir bitte einmal zu? (Nach Psalm 28)

Segen

Gott segne dich, wenn du losgehst. Er beschütze dich auf den schmalen Straßen und den breiten Alleen. Er sei bei dir, wenn es bergauf und wenn es bergab geht. Gott sei in mittendrin, wenn du anderen begegnest. Gott sei bei dir, wenn du das Ziel deines Lebens suchst. Dafür schenke er dir und uns allen seinen Segen.

Quelle: Guido Erbrich: Komm mit mir ins Leben. Neue Jugendandachten, St. Benno Verlag, S. 62–70.